Die Geschichte von Józef Łebski

Diese Seite wurde im Rahmen eines Schulpraktikums mit der Unterstützung von Łukasz Kaczmarczyk erstellt.

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Wenn du als Außenstehender diese Seite besuchst, flüstern dir die Toten das Grauen ins Ohr. Sie sind immer noch hier, und ihr Schweigen seit mehr als 75 Jahren klingt wie ein Stöhnen in deinen Ohren. Du stehst dann zwischen Überlebenden, die manchmal zweifeln, ob es gut war, zu bleiben, denn die heutigen Täter denken schon wieder an morgen und überschütten den Tod der Schweigenden mit braunem Hohn. Deshalb musst du dir immer wieder von den Toten erzählen lassen, wie es damals war, immer und immer wieder, damit du niemanden und nichts vergisst und jene vielleicht ein wenig, wenigstens ein wenig, vergessen können. Tränen alleine sind nicht genug.
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Der einzige bis heute erhaltene Brief von Józef Łebski wurde am 3. Dezember 1944 aus dem Konzentrationslager Auschwitz an seine Frau Weronika Łebska geschickt. Für 78 Jahre war er der einzige Beweis dafür, dass Józef Łebski im Dezember 1944 noch am Leben war. Trotz langjähriger Bemühungen konnte seine Frau Weronika Łebska die genauen Umstände seines Todes nicht feststellen. Weronika Łebska starb 1982 in dem Glauben, dass ihr Mann im KZ Auschwitz ermordet wurde. Durch die digitalisierten Dokumente, die in den Arolsen Archives (https://arolsen-archives.org/) verfügbar sind, konnte der Verlauf der letzten Tage von Józef Łebski sowie der Ort seines Todes rekonstruiert werden.

An:
KZ-Gedenkstätte Mauthausen/Informationen über ehemalige KZ-Häftlinge

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schreibe im Namen meiner Mutter Anna  (geboren Łebska). Es geht um Ihren Vater und meinen Großvater, Józef Łebski, der am 19.03.1904 in Ligota (ehemals Breckenfeld), Polen geboren wurde.

Er wurde am 17. Oktober 1943 während der Arbeit zusammen mit seinem Bruder Michał von der Gestapo verhaftet und in das Polizeigefängnis in der Robert-Koch-Straße 16 in Łódź (Litzmannstadt) gebracht. Gefangene hier wurden von der Gestapo wegen Sabotage, politischer Aktivität, Unabhängigkeitskampf oder Zugehörigkeit zur polnischen Widerstandsbewegung festgenommen. Von dort stammen die beiden Postkarten, die er an seine Frau Weronika geschrieben hat (eine vom 31.10.1943 und eine zweite vom 17.12.1943).

Am 22./23.12.1943 wurde er von Litzmannstadt (Łódź) nach Auschwitz deportiert. Das letzte Lebenszeichen von ihm war ein Brief, den er am 3.12.1944 aus dem Konzentrationslager Auschwitz an seine Frau Weronika (die er liebevoll Wercia nannte) geschrieben hat. Danach verliert sich seine Spur. Die Suche nach ihm, die meine Großmutter nach dem Krieg unternommen hat (durch das Rote Kreuz), war erfolglos. Sie starb im Jahr 1982, ohne in Erfahrung zu bringen, wo und wie ihr Mann verstorben ist.

Erst vor kurzem habe ich im Online-Arolsen-Archiv digitalisierte Dokumente gefunden, die ein wenig Licht in die letzten Tage meines Großvaters bringen. Daraus geht hervor, dass er am 4./5. Dezember 1944 von Auschwitz nach Mauthausen überstellt wurde. Meine weiteren Recherchen ergaben, dass er 1945 in Mauthausen verstorben ist. Das habe ich auf dem Portal „Raum der Namen“ gefunden.

Meine Fragen: Im „Raum der Namen“ ist der Name Józef Łebski falsch geschrieben, nämlich „Łębski“. Auch der Geburtsort ist falsch ausgeschrieben. Anstatt Brückenfeld sollte es Breckenfeld sein, was auf Polnisch Ligota bedeutet. Könnte man das bitte korrigieren? Haben Sie vielleicht weitere Informationen darüber, wann genau er verstorben ist oder überhaupt irgendwelche Informationen über ihn?

Ich würde mich über Ihre Antwort freuen.
Hochachtungsvoll
Anna (…)
Mittwoch, 15. Februar 2023 17:34

Brief von Józef Łebski aus dem Polizeigefängnis in der Robert Kochstraße 16 in Łódź (Litzmannstadt)
Brief von Józef Łebski aus dem Polizeigefängnis in der Robert Kochstraße 16 in Łódź (Litzmannstadt)
Sehr geehrter Herr (…)

im Attachment übermitteln wir Ihnen eine Abfrage der Häftlingsdatenbank des Archivs der KZ-Gedenkstätte Mauthausen mit Informationen zu Herrn Jozef Lebski. Weiters senden wir Ihnen einen Scan des Häftlingszugangsbuchs der politischen Abteilung (Sign. MM/Y36b) und ein Scan der Häftlingspersonalkarte (MM/2/2/7/1), demzufolge Herr Lebski am 6. Dezember 1944 von Auschwitz kommend in das KZ Mauthausen eingeliefert wurde. Danach wurde er in das Außenlager Floridsdorf, von dort wieder zurück in das Stammlager Mauthausen überstellt. Jozef Lebski starb einige Tage nach der Befreiung. Leider haben wir dazu keine genauen Daten finden können. Der Name und Geburtsort werden im Raum der Namen korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis.

Wir ersuchen, die späte Antwort zu entschuldigen, die auf die große Zahl von Anfragen an das Archiv zurückzuführen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Sammlung – Bibliothek | Collection – Library

Argentinierstraße 13, TOP 103+104
A-1040 Wien | Vienna
Tel: +43 1 376 3000-112
memorial.org
www.mauthausen-memorial.org
3.3.2023 17:09

Am 22./23. Dezember 1943 wurde Józef Łebski aus dem Polizeigefängnis in der Robert-Koch-Straße 16, Litzmannstadt (Łódź) ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert.
(Rampeaufnahme von KZ Auschwitz aus dem Jahr 1945 von Stanislaw Mucha)

Am 4. Dezember 1944 wurde Józef Łebski von Auschwitz nach Mauthausen überstellt. Er kam am 6. Dezember 1944 im Konzentrationslager Mauthausen an. Danach wurde er in das Außenlager Floridsdorf, von dort wieder zurück in das Stammlager Mauthausen überstellt.

Die SS errichtete 1944 auf dem Gelände der Jedlesee-Bierbrauerei-Kellerei in Jedlesee und auf dem Gelände der Firma Hofherr-Schrantz in Floridsdorf je ein Außenlager des KZ Mauthausen. Diese entstanden im Juli 1944, nachdem die Lager Schwechat I und Schwechat II durch einen Bombenangriff zerstört worden waren. Wegen des Vorrückens der Roten Armee wurden am 1. April 1945 insgesamt 2710 Häftlinge auf einen Evakuierungsmarsch nach Mauthausen geschickt, bei dem vor und während des Marsches Häftlinge ermordet wurden. (wikipedia.org)

Die Kommandos Hofherr & Schrantz und AFA wurden ebenso wie das Kommando Jedlesee am 1. April 1945 evakuiert, was darauf hindeutet, dass die Evakuierung nicht über das Außenlager Hinterbrühl erfolgt sein dürfte. Der Evakuierungsmarsch, der über das Außenlager Steyr führte, erreichte das Konzentrationslager Mauthausen am 11. April 1945. Insgesamt sind laut einer Aufstellung der Lagerschreibstube auf diesem Marsch 121 Häftlinge getötet worden, 22 blieben vermisst oder sind geflüchtet. Die Zahl der Toten allein im Lager Floridsdorf dürfte sich auf 45 Häftlinge belaufen.
https://www.mauthausen-guides.at

Am 3. Mai 1945 flohen die letzten SS-Angehörigen aus den Lagern Mauthausen und Gusen. Am 5. Mai traf ein Spähtrupp der US-Armee in Gusen und Mauthausen ein, am darauffolgenden Tag befreien Einheiten der 3. US Army etwa 40.000 Gefangene dieser Lager endgültig. Sie fanden da wie dort hunderte Leichen von KZ-Gefangenen vor, die in den Tagen vor der Befreiung gestorben waren. Tausende waren derart geschwächt und gesundheitlich angegriffen, dass sie trotz medizinischer Versorgung durch Sanitätseinheiten der US-Armee noch in den Wochen und Monaten nach der Befreiung starben. Mehr als 3.000 Tote bestattete man in den „Camp Cemeteries“ neben den ehemaligen Konzentrationslagern.
(mauthausen-memorial.org)

Józef Łebski verstarb einige Tage nach der Befreiung des KZ Mauthausen. Das genaue Datum und die Umstände seines Todes konnten nicht mehr ermittelt werden. Eine einzige Fotografie zeigt ihn zusammen mit seiner Frau Weronika, die er liebevoll ‚Wercia‘ nannte.

RAUM DER NAMEN
Digitales Gedenkbuch für die Toten des KZ Mauthausen und seiner Außenlager, 1938–1945. Die Tochter von Józef Łebski, Anna.

https://www.mauthausen-memorial.org/