Przemek Zajfert, No Words – The Darkroom as Shelter, Negativ

Das Negativ, von dem alle 365 Abzüge belichtet wurden.

No Words – The Darkroom as Shelter

begann am 24. Februar 2022, dem Tag der russischen Invasion in die Ukraine.

365 Tage in Folge ging ich jeden Tag in eine improvisierte Dunkelkammer in meinem Keller und wiederholte dieselbe fotografische Geste. Jeden Tag belichtete ich dasselbe Negativ: die Hände einer Frau, die ein leeres Blatt Papier halten.

Jeder Abzug wurde auf dem bereits belichteten, aber noch nicht entwickelten Fotopapier mit einem in Fixiermittel getränkten Pinsel von Hand nummeriert.
Während des Entwicklungsprozesses setzte ich einzelne Abzüge bewusst weißem Licht aus. Dadurch entstanden Solarisationen – Momente, in denen Positiv und Negativ ineinander übergehen.

Die Abzüge blieben absichtlich unfixiert. Sie erreichten nie einen endgültigen Zustand. Licht, Luft, Berührung und Zeit verändern sie bis heute — jeder Abzug bleibt so instabil wie das Ereignis, auf das er reagiert.

Przemek Zajfert, No Words – The Darkroom as Shelter, Dunkelkammer im Keller.

Die improvisierte Dunkelkammer im Keller.

Mit der Zeit wurde das Fotografieren für mich zu einem Prozess, der Zeit strukturiert, statt sie lediglich abzubilden.

Was als Reaktion auf den Krieg begann, wurde nach und nach zu einem täglichen Ritual. Die Dunkelkammer wurde zu einem Ort, an dem Wiederholung die Zeit strukturierte. Fotografie ging nicht mehr darum, Bilder zu machen, sondern darum, jeden Tag, unter sich verändernden Umständen, zur selben Geste zurückzukehren.

Przemek Zajfert, No Words – The Darkroom as Shelter, Fotogramm Nr. 307

Day 307. Beschädigt während einer Ausstellungsstation

Das Projekt existiert daher in zwei miteinander verbundenen Phasen. Die erste fand in der Dunkelkammer statt, wo die Arbeit durch Wiederholung entstand. Die zweite begann, als die Fotografien die Dunkelkammer verließen und in den Ausstellungsraum eintraten.
Von diesem Moment an wird jede Präsentation Teil der Arbeit. Licht und jeder neue Ausstellungsraum verändern die Fotografien weiter.

Auch Beschädigungen oder Diebstähle – wie im Herbst 2023, als mehrere Abzüge aus einer unbewachten Ausstellung verschwanden – werden nicht rückgängig gemacht. Der Verlust bleibt sichtbar und wird Teil der Arbeit.

Przemek Zajfert, No Words – The Darkroom as Shelter, Gesamtansicht

Ausstellungsansicht, 2023. 365 nicht fixierte Kontaktabzüge in Größen von 13 x 18 cm bis 18 x 24 cm. Gesamtgröße ca. 250 cm x 400 cm.

Dasselbe Bild wurde jeden Tag wiederholt, und doch sind keine zwei Abzüge identisch. Was zunächst wie ein Archiv der Wiederholung erscheint, offenbart sich allmählich als ein Archiv der Differenz.
No Words ist keine Serie fertiger Fotografien. Es ist ein fortlaufender fotografischer Prozess, in dem Wiederholung Ordnung schafft, während Zeit diese Ordnung fortwährend verändert und infrage stellt.
Przemek Zajfert, No Words – The Darkroom as Shelter, Gesamtansicht

Installation, Fiksacje, Kraków, Herbst 2025. Aus Platzmangel wurden alle Abzüge mit einem Nagel montiert. Foto: Bizarro Studio.

Das Projekt „No Words“ wurde 2023 auf die Shortlist des Felix Schoeller Photo Award in der Kategorie „Deutscher Friedenspreis für Fotografie“ gesetzt.

Die Geschichte hinter dem Projekt auf Medium:
→ No Words — The Darkroom as Shelter
→ Three Concepts Manifesting Differently Across Exhibition Contexts